Naturheilkunde

Prinzipien der Naturheilkunde

Naturheilkundliche Behandlung wird von rund 60 Prozent der Deutschen gewünscht. Alternative Heilverfahren sind seit langem im Trend, es gilt als offenes Geheimnis, dass die Naturmedizin eine unübersehbare Hinwendung erfährt, sei es unter der Bezeichnung „sanfte Medizin“, alternative (in Österreich: komplementäre) Heilverfahren, biologische Medizin, Ganzheitsmedizin, Erfahrungs- oder eben Naturheilkunde.

Dieser Trend ist zum einen auf das wachsende Misstrauen der Bevölkerung gegenüber chemischen Arzneimitteln mit ihren Nebenwirkungen zurückzuführen. Zum anderen spielen dabei möglicherweise auch verborgene Heilserwartungen eine Rolle, die zu einer verstärkten Hinwendung zur Natur = Geborgenheit ausgelöst haben: Sehnsüchte, die zustande kommen, weil der einseitige Machbarkeitsglaube, der Glaube an die Allmacht der Wissenschaft und Technik, in die sinnlose Sackgasse der Entfremdung von den inneren Werten des Herzens und in unumkehrbare Umweltzerstörung führt.

Es gehört zum Wesen der Wissenschaft, dass sie nicht erklären kann, warum es irgendwelche Zustände in der Natur überhaupt gibt, ja was überhaupt Leben ist. Im antiken, hippokratischen Verständnis wurde der Natur eine innewohnende Lebenskraft mit heilenden Eigenschaften zugesprochen: die Gesundung des Patienten wurde durch die Heilkraft der Natur bewirkt und der Arzt war nur Behandler:  „Medicus curat, natura sanat“.

Das moderne Verständnis der Schulmedizin hingegen beruht - zurückgehend auf René Descartes - auf einem mechanistischen Menschenbild, wonach der Mensch als ein aus Einzelteilen zusammengesetztes Uhrwerk begriffen wird, ebenso reparabel wie justierbar, getrennt von einer beseelenden Lebenskraft. Demgemäß wird jede Krankheit als Fehlfunktion gesehen, deren Ursache mithilfe technischer Methoden gefunden und beseitigt werden kann. Dieser mechanistischen Auffassung entkeimte in logischer Folge die heutige dominierende kostenintensive Apparatemedizin, bei welcher der Arzt nur noch die Aufgabe hat, Informationen technischer Geräte auszuwerten und als Opfer der (Des)-Informationspolitik und Werbestrategien der Pharmaindustrie und bloßer Verteiler von allopathischen Arzneien seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt und letztlich seine ursprüngliche Rolle als Heiler einbüßt. Er reduziert sich zum bloßen Erfüllungsgehilfen der wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie, der Symptome kuriert, deren eigentlichen Ursachen er längst nicht mehr erfasst. Und der Patient - in seiner Gesamtheit als Mensch zu wenig beachtet - wird dabei einer Fließband-abfertigung ohne persönliche Zuwendung unterworfen.

Allen Anstrengungen der Schulmedizin und der Ärzteschwemme zum Trotz:  Die Geißeln Krebs und andere Zivilisationskrankheiten bleiben nach wie vor unbezwungen. Die häufig herangezogenen Behauptungen der Erfolge der Schulmedizin über die Infektionskrankheiten stimmen nicht, denn wie Studien belegen, wurde die Chemotherapie gegen Infektionen zu einem Zeitpunkt entwickelt, als diese durch eingreifende hygienische Maßnahmen kein zentrales gesundheitspolitisches Problem mehr waren. Stattdessen verursacht der übermäßige Gebrauch von Antibiotika Therapieresistenzen, Allergien und andere Folgeschäden. Die Zahlen sprechen für sich:

  • Bereits 60% aller Bürger halten die normalerweise in der Schulmedizin verwendeten allopathischen Arzneien für gefährlich.
  • 84% verlangen nach Ärzten, die neben der modernen Schulmedizin auch Naturheilweisen beherrschen.
  • Jeder 14. Deutsche nimmt schon jetzt naturheilkundliche Behandlung in Anspruch (in Frankreich bereits jeder 6., in Belgien sogar jeder 4.)

Immer mehr Menschen haben erkennen müssen: Mehr Medizin bedeutet nicht zwangsläufig mehr Gesundheit. Jeder Patient ist immer seiner besonderen und individuellen Lebens- und Krankheitsgeschichte unterworfen. Daher sind statistische Wirkungsbetrachtungen von nur symptomunterdrückenden oder symptomverschiebenden Eigenschaften auch ungeeignet. Vielmehr gewinnt offenbar eine ganz andere Sicht weiter an Boden, die über die bisher gültige mechanistische Auffassung weit hinausgeht. Der kranke Mensch ist nicht allein im Körper krank. Krankheit ist danach nicht ein lästiges Übel, sondern Ausdrucksmittel eines übergeordneten Geschehens, ja eine Aufforderung, sich in ein umfassendes Heilsgeschehen einzubeziehen. Krankheit zeigt das Fehlen einer ganzheitlichen Ordnung im Bewusstsein.

Sanfte Medizin stimuliert Selbstheilungskräfte

Der menschlichen Natur ist eine „SeIbstheilungstendenz“ zu eigen, die dafür sorgt, dass Krankheits-einflüsse und gesundheitswidriges Verhalten ausgeglichen werden. Diese Selbstheilungskräfte werden in der Naturheilkunde bewusst angeregt und in einem Umfeld betrachtet, das geistige, psychologische soziale und somatische Aspekte erfasst. Naturheilkunde ist ein umfassender Begriff für zahlreiche Anwendungen, die auf teilweise viele hundert Jahre zurückgreifende Überlieferungen und altes Heilwissen gründen. Die tragenden Säulen der naturheilkundlichen Praxis sind: Ordnungstherapie, Ernährungstherapie, Homöopathie, Energieausgleichstherapie, Phytotherapie, Hydrotherapie, Bewegungstherapie, Gesundheitsbildung und Prävention.

Sicherlich ist Naturheilkunde keine Therapie, bei der man ohne Arzneimittel auskommt, noch eine allgemeine, im Sinne von unspezifischer Therapie. Da Erkrankung bedeutet, dass die Selbstheilungskräfte des Organismus nicht mehr zur Aufrechterhaltung von Gesundheit ausreichten, müssen dem Körper Impulse oder Informationen mitgeteilt werden. damit diese Selbstheilungskräfte wieder angeregt, gelenkt werden können. Echte Heilung ist daher niemals aus der eigenen, erkrankten Situation heraus möglich. Sie kann auch nie unbehandelt innerhalb der eigenen Bewusstseinsgrenzen stattfinden. Ein echtes Heilsgeschehen setzt demnach das Verabreichen einer heilenden Information voraus, sei es die Information eines Arzneimittels oder einer anderen therapeutischen Maßnahme.

Bei den in der Naturheilkunde verwendeten Mitteln steht dabei allerdings die Frage der geringstmöglichen Dosierung und der individuellen Mittelwahl im Vordergrund. Die Dosierungen sind so bemessen, dass sie regulierend und heilend wirken können und nicht, wie in der Schulmedizin, dass sie jede Zelle des Körpers mit Millionen von chemisch-synthetischen Molekülen überhäufen, deren Nutzen häufig fraglich und ungeprüft ist und so zwangsläufig wie eine chemische Bombe mit unvermeidbaren Therapieschäden wirken. So erklärt sich auch, dass nur noch 30% aller Krankheiten mit schulmedizinischen Mitteln heilbar sind und warum nach Angaben der WHO 40% aller Krankheiten arztfabriziert sind. Gerade die Naturheilkunde weist aber so viele Facetten auf, dass wirkungsvolle Alternativen insbesondere auch für chronische Krankheiten zur Verfügung stehen.

Gerade in diesem Zusammenhang ist es sicherlich enttäuschend, dass die Naturheilverfahren gerade in Deutschland, insbesondere auch als dem Ursprungsland der Homöopathie und der Irisdiagnostik, keine breite Unterstützung als traditionelle Heilverfahren erfahren. Man vergleiche die Wertschätzung und Förderung traditioneller Verfahren wie es zum Beispiel bei der Akupunktur oder Qi Gong in China oder Ayurveda in Indien der Fall ist.

Naturheilkunde = alternative Therapien?

Im Bereich der Naturheilkunde treffen nun eine Vielzahl von Therapien aufeinander, die sich teilweise auf althergebrachtes Heilwissen der Volksmedizin stützen, aber auch Vorgänge, und das muss auch einmal gesagt werden, die an den Bereich der Scharlatanerie grenzen, und den kritischen Maßstäben der Belegbarkeit, Wiederholbarkeit, Beschreibbarkeit und Überprüfbarkeit keineswegs genügen. Allerdings darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, dass das Unverständnis des Ursprungs des Lebens oder der Lebenskraft (vis vitalis, Chi) und die Verdrängung des Todes in der Schulmedizin als offensichtliches Manko besteht - so ist es auch nicht verwunderlich, dass häufig genug auf Kosten eines menschenwürdigen Sterbens mit allen Tricks einer letztendlich dennoch ohnmächtigen Apparatemedizin versucht wird, den natürlichen Vorgang des Sterbens hinauszuziehen, anstatt gerade in unserem christlich orientierten Kulturrahmen zu begreifen, dass das Leben längst nicht mit dem Tod des Körpers eingeschränkt werden kann, geschweige denn zu Ende gegangen ist.

Sicherlich muss von gesundheitspolitischer Sicht aus der durch seine Notlage besonders leicht durch Heilungsversprechen beeinflussbare Kranke vor unqualifizierten und ominösen Behandlungsmethoden geschützt werden. Dieser Interessenschutz darf aber nicht einseitig von Pharmaindustrie und Schulmedizin bewerkstelligt werden. Und dieser Interessenschutz darf nicht zu Lasten der Naturheilkunde gehen, um pauschal naturheilkundliche Diagnose- und Therapieverfahren falsch zu interpretieren und als Pseudotherapien abzuqualifizieren.

Die seriöse Naturheilkunde fordert und fördert die Selbstheilungskräfte im Menschen und die Bereitschaft und Fähigkeit zur Eigenverantwortung. Zwar besteht immer noch ein zu geringes Interesse der Allgemeinheit an Gesundheitsfragen, denn die meisten Menschen setzen Gesundheit gleichsam voraus, ohne eigenes Zutun. Diese Grundhaltung ist mitverantwortlich dafür, dass unsere moderne Medizin praktisch unbezahlbar geworden ist. Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen kann aber auf Patientenseite nur durch ein verstärktes Bewusstsein der Eigenverantwortung gelöst werden.

In dieser Situation kommt der Naturheilkunde eine herausragende Bedeutung zur Kostendämpfung zu. Abgesehen von der Notfallmedizin und Intensivversorgung, sind die meisten naturheilkundlichen Diagnose- und Therapieverfahren weitaus kostengünstiger und wirtschaftlicher als schulmedizinische Maßnahmen. Dafür liegen genügend Belege vor.

Vorbeugende, präventive Medizin ist heute wichtiger denn je. Intensive Patientenaufklärung zur Vorbeugung gegen langfristige Gesundheitsschäden durch falsche Ernährung, falsche Lebensgewohnheiten, falsche Körperhaltung, falsche innere Einstellung sich selbst und dem Leben gegenüber, gibt es bisher aber kaum. Nicht umsonst mahnen Stimmen eine Rückbesinnung auf die Medizin im alten Sinne als einer Lehre von der gesunden Lebensordnung. Dann muss es nicht so sein, wie es eine alte Volksweisheit beschreibt: "Wenn wir jung sind, opfern wir unsere Gesundheit, um dem Geld hinterher zu jagen, und wenn wir alt sind, opfern wir unser Geld, um der Gesundheit hinterher zu jagen".

Die eigene Verantwortung für unsere Gesundheit kann auch eine in ihrer Bedeutung mehr gewürdigten "sanften Medizin" niemandem abnehmen. Der Einzelne darf nicht mehr im Bewusstsein leben, im Bedarfsfall Gesundheit als Konsumartikel "kaufen" zu können, sondern muss schon frühzeitig lernen, Gesundheit im Einklang mit sich selbst und der Umwelt als unser kostbarstes Gut zu achten.